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00:00:00 Zurück aus dem Urlaub: Merz, Drohnen, MaschinenbauDie Folge beginnt mit einer kommentarlosen Clip-Collage, die die Themen der Sendung vorwegnimmt: Ferienorte deutscher Regierungschefs, Bilder aus Utah, die nachwirkende Kabinettsumbildung, Umfragewerte von Union und AfD, das Freibad vor der Berliner Volksbühne. Mick erwartet die Nachwirkungen der Kabinettsumbildung erst im beginnenden Landtagswahlkampf; Stefan hält den Ausgang des 6. September für längst entschieden und spottet über die Vorsichtsrhetorik der Politikwissenschaft. Zu den Drohnen über dem Leipziger Flughafen kritisiert Mick das Ritual „niemand darf spekulieren, deshalb spekulieren wir mal" und wertet die fehlende Drohnenabwehr als Politikversagen. Stefan argumentiert, dass die Frage nach der Urheberschaft am Ernst der Lage vorbeigeht: Eine bewaffnete Drohne definiert den Ort, über dem sie steht, als Kampfzone. Als „gute Nachricht" spielt Mick einen Bericht über den deutschen Maschinenbau ein, dessen Aufschwung mit volleren Auftragsbüchern, breiteren Lieferketten und vergleichsweise niedrigen US-Zöllen erklärt wird.
00:13:34 Die Donau trocknet aus: Ungarn, Kroatien, RumänienDer erste Klimablock beginnt in Ungarn, wo ein havariertes Flusskreuzfahrtschiff bei Gönyű zum Bild für den historisch niedrigen Donaupegel wird und dem Kernkraftwerk Paks das Kühlwasser auszugehen droht — laut Clip rund 40 Prozent der ungarischen Stromerzeugung. Aus Kroatien kommen Bilder freigelegter Wracks in der Drau, aus Rumänien die Meldung, dass das Militär einen Felsen im Flussbett gesprengt hat, um mehr Wasser zum Kernkraftwerk Cernavodă zu leiten. Mick leitet daraus Verteilungskonflikte um Wasser innerhalb der EU ab; Stefan zitiert die Zahl, dass ein Binnenschiff durch 250 Lastwagen ersetzt werden müsste. Die Reederei Navrom beziffert ihren Verlust für sechs Wochen auf rund 1,6 Millionen Euro, Dacia und Ford stoppen ihre Produktion in Rumänien; Mick verweist auf eine Modellrechnung, nach der anhaltende Sommer dieser Art bis 2030 fünf bis sieben Prozent des BIP kosten würden. Ungarn schaltet Güterzüge zwischen 17 und 22 Uhr ab, lässt das Budapester Parlamentsgebäude unbeleuchtet und ruft zum Stromsparen auf. Beide diskutieren, warum aus dieser Lage keine politische Bewegung entsteht — Stefan verweist auf den Kanzlersatz „die Welt geht nicht unter", Mick auf das Ende der Klimadebatte mit der Ampel.
00:37:21 Rhein bei 1,54 Meter: Binnenschifffahrt, Industrie, MedienkritikEin Bericht aus dem Duisburger Hafen nennt den Rheinpegel von 1,54 Meter; weil Schiffe kaum noch beladen werden können, braucht dieselbe Fracht die vier- bis fünffache Schiffszahl. Ein Tanker fährt gar nicht erst, weil der Spritverbrauch die transportierte Menge übersteigen würde. Im Tagesthemen-Interview erklärt ein Ökonom des Instituts der deutschen Wirtschaft, dass der Rhein 80 Prozent der deutschen Binnenschifffahrt trägt, dass allein der Kraftstofftransport rund 3.000 Tanklaster pro Tag erfordern würde und dass Produktionen wie bei BASF heruntergefahren werden. Stefan macht daran seine zentrale Medienkritik fest: Die Einstiegsfrage „Wie ernst ist die Lage?" sei ein Kniefall vor Skeptikern, den sich eine Nachrichtenredaktion angesichts bundesweiter Dürre nicht mehr leisten könne. Mick verknüpft das mit der seit zwanzig Jahren diskutierten Investitionslücke und einem Text von Ijoma Mangold über das umgekehrte Verhältnis von Deutschland und seinen Urlaubsländern; als Konsequenz fordert er Redundanzen, Stefan eine Solarpflicht für jeden Neubau. Zum Abschluss die Frage nach den Flusskreuzfahrten, deren Einordnung als gesamtwirtschaftlich nachrangig Stefan als Verachtung des Publikums liest — und Mick am Beispiel der Rheindörfer durchrechnet, die vom Ausflugsverkehr leben.
01:00:53 Kein Wasser fürs Feld: Landwirtschaft, Waldbrände, HitzetoteIn Südbaden ist der Salat der Familie Dinger bei Emmendingen vertrocknet, die Bewässerung aus nahen Bächen ist behördlich untersagt; in Schweigern dürfen Vater und Sohn Schmelzle ihre Zwiebeln nicht mehr aus dem Bach gießen. Stefan und Mick arbeiten sich daran ab, dass die Beiträge das Entnahmeverbot als behördliche Willkür rahmen, obwohl die Flüsse schlicht leer sind, und dass eine Off-Stimme ein trockengefallenes Bett noch „fast ausgetrocknet" nennt. Mick erklärt die Anschlussfähigkeit dieser Deutung für Wählerschaften, in denen der Klimawandel bestritten wird, und fragt, warum dieselben Bauern, die wegen des Agrardiesels mit Traktoren nach Berlin und Brüssel fuhren, jetzt schweigen. Es folgen Meldungen zu Waldbränden westlich von Athen, um Spokane im US-Bundesstaat Washington und in der niederländischen Provinz Limburg sowie eine Reportage aus dem griechischen Megara, wo ein Ehepaar fast 900 Tiere verloren hat. Die deutsche Vorsorge illustriert ein Beitrag über die ehrenamtliche Luftrettungsstaffel Bayern und die Verdopplung der Tage mit hoher Waldbrandgefahr seit den 1960er-Jahren. Verkehrsminister Steffen Bilger stellt nach einem Krisentreffen ein Notfallkonzept vor; Claudia Kemfert kommt als einzige mit dem Einwand zu Wort, die Bundesregierung reagiere nur. Den Abschluss bilden die RKI-Schätzung von 1.900 hitzebedingten Sterbefällen, der italienische Hitzealarm, die Ausbreitung der Tigermücke und ein Wetterbericht, der 18 Tage über 35 Grad an einer Station am Oberrhein als beispiellos einordnet.
01:33:57 Dank an die UnterstützerStefan dankt den während der Sommerpause hinzugekommenen Unterstützerinnen und Unterstützern namentlich und liest ihre Begleitworte vor. Aus einer Zuschrift — „Ihr gehört zu den wenigen Menschen in meiner Welt, die so denken wie ich" — entwickelt er eine These über die Schweigespirale in Deutschland und den Irrtum, die eigene Position sei eine Minderheitenposition.
01:37:35 Wehrdienst: Dänemark, Deutschland, Südkoreas Senior ArmyEin Bericht blickt „etwas neidisch" nach Dänemark, wo Frauen gemustert werden, der Wehrdienst von vier auf elf Monate verlängert wird und sich so viele freiwillig melden, dass das Losverfahren nie nötig war. Stefan und Mick zerlegen die Reportage: das Wort „Neid", die Rolle des Königshauses, die Aufrüstung wegen Grönland, die verschwiegenen Blutreserven im hohen Norden und die Größenordnung einer Armee von rund 20.000 Personen. Zur deutschen Lage nennt ein Korrespondentenbericht rund 10.000 fest eingeplante Freiwillige gegenüber dem Ziel von 20.000, den Aufwuchs auf 270.000 Soldatinnen und Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre sowie 50 seit dem Aussetzen der Wehrpflicht abgebaute Kasernen. Stefan argumentiert, die Wehrpflicht werde nicht wegen der Masse verlangt, sondern als Qualitätsfrage, lasse sich so aber nicht kommunizieren. Als Gegenmodell dient eine Reportage über Südkoreas „Senior Army", in der Rentner freiwillig Lasertraining absolvieren; Stefan liest das Projekt als Gesundheitspolitik zur Verlängerung der Healthspan und ordnet es in Südkoreas demografische Lage ein. Mick sieht darin ein Mittel gegen Vereinzelung, Stefan zieht aus den gemischten dänischen Stuben eine bevölkerungspolitische Pointe.
02:08:17 Studierende unter Druck und das Zivildienst-ComebackEin Bericht räumt mit dem Bild der genussvoll studierenden Erbengeneration auf: Annabella finanziert ihr Studium in München mit Zehn-Stunden-Schichten am Tegernsee, weil sie kein BAföG beantragt; Maximilian studiert in Aachen auf Lehramt neben zwei Nebenjobs und einem unbezahlten Pflichtpraktikum. Eine Studie beziffert die Jobquote auf jeden zweiten Studierenden gegenüber jedem dritten vor zehn Jahren, eine Trendstudie den Anteil derer, die psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen, auf 32 Prozent. Stefan empfiehlt, KI als Werkzeug zur Durchsetzung von Sozialleistungsansprüchen zu nutzen; Mick rechnet die Bilanz nach dem Studium aus Rückzahlung, Kredit und Privatschulden vor. Der zweite Teil gilt dem vorbereiteten Zivildienst-Comeback, das Mick als hypothetisches Thema auf einer Hypothese kritisiert. Die Caritas-Präsidentin widerspricht im Studiogespräch der Annahme, ein Ersatzdienst würde Personalprobleme im Sozialbereich lösen, verweist auf die Gesetzeslage und die zu erwartenden kleinen Zahlen und benennt die Diskrepanz zwischen rund 2.600 Euro Sold und rund 250 Euro Taschengeld im Freiwilligendienst. Stefan und Mick nehmen die Fragehaltung der Moderation auseinander — insbesondere die Frage, ob die Caritas sich an der Finanzierung beteiligen könnte.
02:37:51 Bonusthema: Das Volksbad vor der VolksbühneWeil im Theater gebaut wird, hat der neue Intendant der Berliner Volksbühne ein 25 Meter langes Schwimmbecken davorgesetzt, Eintritt frei, Baden auch nackt. Stefan liest die Aktion als Inszenierung mit „Mut zur Devianz" und hebt hervor, dass das Denkmalschutzamt eigens die zulässige Höhe des Beckens festgelegt hat, während Berlins Infrastruktur verfällt. Mick lobt, dass hier nicht auf die Bürokratie verwiesen, sondern gebaut wurde, und dass aus einer Brachfläche ein Begegnungsort wird. Stefan verbindet das mit Occupy Wall Street und der Aufforderung „Bring Tent" — die Berliner Entsprechung sei, die Badehose mitzubringen und Teil des Geschehens zu werden. Zum Schluss die Ansage, dass der Podcast zu Spotify zurückgekehrt ist und deshalb künftig Werbung enthalten wird, sowie der Aufruf an zahlende Unterstützer, sich per E-Mail mit dem Namen aus dem Kontoauszug zu melden, um werbefrei zu bleiben.