Interview mit Nick Hein Hey Leute, herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von LIFEHACKZ mit dem mega sympathischen Nick Hein! Nick ist Leistungssportler und der bekannteste deutsche MMA Fighter. Nick hat vor mehreren Wochen vor zigtausend Fans in der Berliner O2 World seinen letzten Kampf gewonnen, ist aktuell in Thailand im Trainingscamp und bereitet sich auf seinen nächsten Kampf vor. Wir beide haben telefoniert und über das korrekte Mindset als Leistungssportler gesprochen und die besonderen Herausforderungen im MMA und auch seinen Weg zur MMA. Viel Spaß mit dieser Folge, haut rein! In dieser Folge lernst du: Wie man nach Niederlagen wieder auf die Beine kommt. Was Nick direkt vor einem Kampf entspannt. Schreib mir an marcus@lifehackz.co, hinterlass eine kurze Bewertung auf iTunes und abonniere die Show! Werde auch Teil der kostenlosen DNX LIFE HACKZ Community mit über tausenden gleichgesinnten Lifehackern. 1.000 Dank, Dein Marcus SHOWNOTES https://www.facebook.com/NickHeinMMA https://twitter.com/nickheinmma http://www.sherdog.com/fighter/Nick-Hein-50774 http://www.ufc.com/fighter/Nick-Hein [su_accordion] [su_spoiler title="Diese LIFE HACKZ Folge zum Nachlesen" icon="plus-square-1"] Interview mit Nick Hein Das ist die LifeHackz-Show, Folge Numero 10!! Hey Leute, herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von LifeHackz mit dem mega sympathischen Nick Hein! Nick ist Leistungssportler und der bekannteste deutsche MMA Fighter. Nick hat vor mehreren Wochen vor zigtausend Fans in der Berliner O2 World seinen letzten Kampf gewonnen, ist aktuell in Thailand im Trainingscamp und bereitet sich auf seinen nächsten Kampf vor. Wir beide haben telefoniert und über das korrekte Mindset als Leistungssportler gesprochen und die besonderen Herausforderungen im MMA und auch seinen Weg zur MMA. Viel Spaß mit dieser Folge, haut rein! Marcus: Hey Nick! Vielen Dank für Deine Zeit! Danke, dass Du hier bei LifeHackz am Start bist! Nick: Ja, ich freue mich, dass ich dabei sein kann und komm, bombardier mich mit den Fragen! (beide lachen) Marcus: Okay, sehr gerne. Sag mal, wo bist Du gerade und weshalb? Was machst Du da? Nick: Ich bin zurzeit im Tiger Muay Thai Trainingslager oder Trainingscamp in Phuket, Thailand. Was mache ich hier? Ich bereit mich, wie immer wenn ich hier bin, auf einen Kampf vor. Ich habe jetzt zurzeit zwei Termine in Aussicht stehen. Das wird sich jetzt im Laufe des heutigen oder des morgigen Tages entscheiden, welcher Termin es sein wird. Ich kann nur sagen, dass ich auf jeden Fall dieses Jahr noch einmal kämpfe. Marcus: Cool! Nick: Und vorausschauend habe ich mir sofort meinen Sohn und meine Frau geschnappt und bin ins Trainingslager geflogen, denn ich bin auch ein Athlet, der - ich sag mal so, der das Leben zu genießen weiß. Das heißt, was Gewichtsfragen angeht bin ich in der Offseason schon mal gut und gerne 15, manchmal auch 15 plus Kilo über meinem Wettkampfgewicht. Also 15 plus ist noch sehr, sehr großzügig beschrieben. Also ich war schon bei knapp 90 kg jetzt relativ zeitig nach meinem letzten Kampf. Um da einfach einen einigermaßen sanften Übergang in die Wettkampfphase zu finden, starte ich mein Trainingslager eben auch ziemlich früh. Deswegen bin ich jetzt schon hier und es ist einfach - wie immer - geil. Marcus: Bist Du dann immer im gleichen Gym. Im Tiger Muay Thai warst Du, glaube ich, schon beim letzten Mal. Nick: Genau, ich bin immer in dem gleichen Gym. Das ist zur Abwechslung mal etwas schönes. Ich bin da jemand, der sehr oft das Gym bzw. die Location in Deutschland gewechselt hat, weil ich einfach mit dem Level nicht zufrieden war und ich bin dann letztlich hier in Thailand gelandet und muss sagen, dass ist hier schon, wie sagt man - wie würde der Geißen sagen? - Absolut Endstufe! (Marcus lacht) Also, ich habe hier erstmal wirklich eine große Auswahl an hochklassigen Wettkämpfern, an Trainingspartner. Und das Level der Trainer ist eben auch sehr hoch. Und in jedem Bereich haben die hier einen sehr, sehr guten Trainer. Das heißt im Ringen, im Thai-Boxen selbstverständlich, auch in den Übergängen fürs MMA, im BJJ. Also es ist halt ein durchgehend hohes Niveau. Und deswegen ist das für mich hier der Place To Be. Marcus: Okay, cool. Du hast in Deutschland dann auch schon viel getestet und ausprobiert. Vielleicht auch in anderen Ländern, aber Du sagst an Thailand kommt aktuell nichts ran für Dich? Nick: Ja also meiner Erfahrung nach. Ich habe mal in Deutschland viele getestet. Ich habe zum Ende, bzw. ich habe zum 01.01. dieses Jahres meinen sicheren und auch geliebten Job bei der Bundespolizei aufgegeben für meine momentane absolute Leidenschaft, das MMA. Leidenschaft untertreibt es eigentlich auch ein bisschen. Also es ist schon neben oder hinter meiner Familie, mein Lebensinhalt. Ich stehe morgens auf, ich lebe den Leistungssport durch und durch. Und mir war halt klar, dass ich, wenn ich diese Entscheidung treffe, dann muss ich auch einen soliden Plan haben, was ich mach und mit wem ich das vor allen Dingen mache. Ich hatte einfach keine Zeit. Ich bin jetzt auch schon 31. Da hast Du nicht mehr so viele Jahre, die Du verschwenden kannst in Leistungssport. Und wenn ich jetzt Schriftsteller wäre oder Künstler, dann würde ich sagen “Ja, es geht grad erst los”, aber beim Leistungssport ist es halt so, gerade auch in meiner Gewichtsklasse, da sollte man jetzt schon nicht mehr so viele Fehler machen. Deswegen war mir klar, ich muss irgendwo hin, wo das Level einfach top ist. Ich habe dann auch mit einigen Gyms in Amerika erst Kontakt aufgenommen. Dann war auch die Idee nach Schweden zu gehen. Aber es ist dann doch letztendlich das Tiger Muay Thai geworden und bis jetzt habe ich die Entscheidung nicht bereut. Marcus: Sehr cool! Kriegt man dann Support von dem Verband? Du kämpfst ja in der größten Organisation der Welt, bei der UFC. Stehen die Dir da bei Seite, wenn Du sagst, ich brauche irgendwie ein neues Trainerteam oder ich möchte mich verändern. Ich möchte ein neues Gym. Inwiefern sind die da involviert? Also jetzt auch nicht nur im Zuge dessen, wenn man ein neues Gym sucht, sondern auch überhaupt, wenn Du sagst “ich komme an dem Punkt gerade nicht weiter” oder “ich bin nicht zufrieden mit dem, wie ihr mich supportet”. Kann man mit denen gut reden oder ist es doch alles sehr topdown von den Amis? Nick: Also, Du musst Dir das so vorstellen: Die UFC ist bisher das, ich sage mal, der tollste Arbeitgeber den ich mir vorstellen kann. Das heißt, in der Zeit, wenn Wettkämpfe sind, die holen mich vom Flughafen ab. Du hast eigentlich permanent einen Babysitter um Dich herum. Und die brauchen wir Kämpfer, weil wir ja natürlich in der Wettkampfwoche sind mit Gewicht machen und unsere Aufregung usw. Also meine Frau hat da kein leichtes Spiel mit mir. Und ein bisschen von diesem Ballast kann sie eben an den Staff von der UFC halt abgeben. Die kümmern sich um alles. Auch was den finanziellen Support angeht, muss ich sagen, kommt da nichts an die UFC ran. Man muss aber auch sagen, dass die UFC jemand ist, die oder ein Verband ist, der nichts zu verschenken hat. Die gehen hin und sagen “pass auf, zeig uns wie sehr Du das willst. Zeig uns, wie sehr Du bereit bist dafür zu arbeiten und dann entlohnen wir Dich dementsprechend auch.” Das heißt am Anfang muss man sich natürlich auch erst mal beweisen. Das heißt, ich bin einer von vielen, ja? Ich habe jetzt erst drei Kämpfe in der UFC in der mit Abstand vollsten Gewichtsklasse der UFC. Das heißt, um auch die Sonderbehandlung zu bekommen, muss ich erst mal einiges leisten. Ich muss ganz ehrlich sagen, das finde ich auch nur fair, weil ansonsten würde die Firma schnell pleite gehen. Marcus: Ja ja, absolut. Das ist ein gewinngetriebenes Unternehmen und ich meine, das was die machen, machen die richtig gut. Die haben ja einen riesen Anteil an dem Erfolg von dieser ganzen Sportart, weil die, glaube ich, die ersten sind, die das echt professionell angegangen sind und auch immer wieder gucken, dass es neue Deals gibt mit TV-Sendern oder mit Streaming-Portalen. Ich glaube, jetzt gerade vor zwei Tagen wurde jetzt ein fetter Deal geclosed mit Pro7, Sat1. Ist das richtig? Nick: Ja im Maxdome, genau. Das ist korrekt ja. Das heißt, der Deal ist der Folgende, dass Maxdome jetzt sich die Rechte an der UFC für den deutschsprachigen Raum gesichert hat und demnächst alle Events, ich glaube ab dem - ich verwechsle da immer die Zahlen, aber ich glaube es UFC 190 - Kampf von Ronda Rousy gegen Bethe Correia. Wenn alle Main Events und alle Events des deutschsprachigen Raums und Asien und Afrika, glaube ich - ich weiß es nicht ganz genau - über Maxdome im deutschen Fernsehen zu sehen sein, was sensationell ist. Jetzt ist UFC auch endlich wieder im deutschen Fernsehen präsent und darüber habe ich mich, mit vielen anderen natürlich, auch sehr, sehr gefreut. Ich bin auch gespannt jetzt. Ich denke, das wird auch einiges für den Sport in Deutschland ändern. Und was ich noch sagen wollte zu dem, was Du eben gesagt hast: Du musst Dir vorstellen, die UFC ist so innovativ, dass der Verband eigentlich mittlerweile oder der Name des Verbandes mittlerweile schon so groß ist, gerade für den Laien, wie der Sport selber. Man hört das oft, wenn Leute keine Ahnung haben, dann sagen die, ich trainiere UFC. Oder “ich will auch UFC machen”. Die meinen natürlich MMA Sport. Das liegt einfach dadran, weil dieser Verband so present ist durch gutes Marketing, durch sehr intelligente Entscheidungen. Jeder kann von dem Reebok Dealer halten, was er will, aber er wird natürlich die Idee, die dahinter steht, einen Sporn auch nach außen hin zu uniformieren und für den Laien erkennbar zu machen, ist schon auch da wieder, ich sage mal, den anderen Verbänden eine Nasenlänge voraus. Ich glaube, dass die Idee auf lange Sicht trotzdem aufgehen wird, auch wenn jetzt viel Kritik an der Sache erst mal besteht. Marcus: Ja klar, dass sind wahrscheinlich auch so Leute, die das dann von der ersten Stunde mitgemacht haben und denen das dann irgendwann eine Spur zu kommerziell wird, was die UFC macht beispielsweise, glaube ich auch vor dem Aldo gegen McGregor Kampf, da um die halbe Welt und die täglichen Vlogs . Wo ich mir die echt gerne angeguckt habe und das ist halt die Zukunft. Die Leute wollen viel Material von den Kämpfern. Die wollen authentisches Material haben und dass ist dann nicht nur diese drei oder fünf Runden im Ring, ne? Nick: Man will diese Story haben. Man will das persönliche Drama haben. Ich meine, was verkauft Tickets? Auf der einen Seite spektakuläre Kämpfe, aber eben auch die Story hinter den Kämpfern. Wenn ich Interesse an dem Sport habe, dann hole ich mir vielleicht ein Pay per View und gucke mir mal ein Event an. Aber wenn ich wirklich die Leidenschaft, vielleicht auch für einen Sportler entwickele, dann hole ich mir vielleicht das ganze Jahresabo. Du verstehst, der Gedanke, der dahinter ist. Man möchte natürlich auch eine Story erzählen und das machen die einfach auch sehr gut und sehr interessant. Es wird eben auch viel Geld in diese Countdown Videos und On-the-Fly heißen die und Embeddeds. Das sind momentan schon gute Videofilme, die auch mit den großen anderer Sportarten zu vergleichen sind. Das hast Du beim Boxen schon seit Jahren, dass sie die interessanten Hauptkämpfe dann durch die Trainingslager, durch persönliche Konflikte dann begleiten. Das ist eigentlich so ein bisschen mehr fast schon wie Big Brother, eben nur für den Leistungssport. Also, ich glaube - um dem Zuschauer den Sport interessant zu machen - muss man dem auch andere Facetten zeigen. Marcus: Ja das glaube ich auch. Und ich glaube, deswegen funktioniert das mit so Typen wie Conor McGregor natürlich ziemlich gut, der total polarisiert. Das ist halt einer, der viel Trash-Talk macht, sich mit den anderen Gegnern verbal anlegt, schon vor dem Kampf. Was hältst Du persönlich von dem Conor, sowohl sportlich als auch außerhalb des Käfigs? Nick: Das ist ein wahnsinns Athlet. Mein persönlicher Stil ist es nicht. Also dieses Trash Talk. Ich sage mal, wer gewinnt, hat recht, ja? Solange ihn danach keiner vom Thron stößt bzw. ihn keiner seinen Zug zum Stillstand bringt, hat er recht. Er hat ja eine Daseinsberechtigung. Genau so wie Ronda Rousey, genau eigentlich wie alle Champs. Es gibt halt manche, die das ein bisschen ruhiger angehen lassen und mache sind halt andere Charaktere. Ich habe halt einen anderen Stil. Ich sage halt nicht, ich bin irgendwie - weiß ich nicht - auserkoren oder so. Ich bin der Junge von nebenan halt. Ich bin jemand, der genauso banal ist und aus dem selben Napf frisst, wie alle anderen. Und das zeige ich eben auch gerne, dass ich vor allen Dingen fehlbar bin. Ich denke mal über sich selber lachen, ist immer noch am sympathischsten. Marcus: Absolut und das macht Dich, glaube ich, auch so beliebt bei den Fans, weil Du total bodenständig bist. Wir beide haben uns jetzt in Berlin im Tempodrom, glaube ich, kennengelernt. Nick: Genau! Marcus: Und Du hattest irgendwie Zeit auch für jeden, ein kurzes Quätschchen zu halten, kurz Fotos machen mit den Fans. Und ich habe Dich dann hier wegen dem Podcast gefragt und Du warst direkt dabei. Was ja richtig, richtig cool und richtig sympathisch ist. Also danke nochmal dafür! Und zum Conor wollte ich auch nochmal sagen, was die Leute ja nicht sehen, sind diese hunderttausende von Stunden oder auch bei Dir und bei den anderen Sportlern, die sich quälen, um auf so ein Level zu kommen, um sich das überhaupt leisten zu können, eine bisschen größere Fresse zu haben, aber dann trotzdem die Lieferung im Ring zu bringen. Und dafür bedarf es dann immer diese tausende von Trainingseinheiten, was vorher dann keiner sieht. Nick: Jetzt muss man davon sagen, dass vom Erfolg hat McGregor mir, sage ich mal, einiges voraus. Der Junge ist auf Platz 1 der Weltrangliste oder zumindest, ich weiß jetzt nicht, wie das ist mit dem Interims Championship Titel, den er hat im Vergleich zum Aldo, aber er ist auf 1 oder 2. Ich bin ja immer noch im Leichtgewicht einer von vielen. Das muss man halt so sehen. Wer weiß, vielleicht kriege ich ja auch mal eine riesen Fresse, wenn ich mal erfolgreicher werde. (beide lachen) Nein, aber, trotz alle dem, ich glaube, ich habe zu spät für das was ich mache im Sport Anerkennung bekommen, um jetzt noch abzuheben. Ich habe mein Leben lang ein bescheidenes Auto gefahren und immer in der Halle gelebt - ein Tonhallenkind halt. Und trainiert und meine Zeit verbracht. Und wenn Du dann mit 30 in die UFC kommst, dann ist die Zeit vom Höhenflug - das ist wie mit der Pubertät -wahrscheinlich vorbei. Marcus: Wie bist Du denn zur UFC gekommen? Muss man sich da bewerben? Hast Du einen Manager oder ein Team um Dich herum gehabt? Läuft das über Agenturen oder gucken sich die dann noch Talente aus? Nick: Also es war so, dass ich eigentlich einen ziemlich erfolgreichen Lauf vom Jahr - ich muss mal kurz überlegen, ich glaube es war 2013. Da ging es los. Da habe ich irgendwie vier oder fünf Kämpfe in Folge gewonnen und dann habe ich einen Anruf bekommen von meinem damaligen Manager. Er war zu dem Zeitpunkt noch nicht mein Manager, aber er rief mich eben an und sagte “pass auf, ich glaube mit dem Lauf, den Du hast, mit dem was Du gerade so machst und was Du vielleicht auch nach außen darstellst, damit kann man arbeiten. Was hältst Du davon: willst Du es nicht versuchen in der großen Liga mitzuspielen?”. Und da habe ich gesagt “ja, auf jeden Fall”. Und dann hat er mir noch einen Kampf organisiert. Das war auch ein starker Gegner. Das waren, ich sage mal, ähnliche Bedingungen, wie in der UFC. Das heißt in einem Octagon, eben nicht in einem Ring, denn ich habe den Großteil meiner Kämpfe vorher in einem Ring gemacht. Weil die Veranstalter in Deutschland immer irgendwie ein Problem damit gehabt haben, weil sie halt den Sportlern noch weniger als Sport verkaufen konnten. Weil sie halt Angst hatten, dass die Leute dann sagen “ah Käfig, das sind diese harten Kämpfe”. Weil so viele Kämpfe vorher im Ring organisiert werden. Also hat mein Manager darauf bestanden, dass ich einen Kampf in einem Octagon mache und auch mit den Regeln, wie in der UFC. Und den Kampf habe ich eben gewonnen und dann, relativ zeitig, kam dann der Vertrag auch schon von der UFC. Ja, das war kurz bevor sie nach Deutschland gekommen sind. Man hat sich eben auch umgesehen nach deutschen Talenten und ich habe dann eben den Zuschlag bekommen. Seitdem ist das eine glückliche Liaison zwischen der UFC und mir. Marcus: Das ist doch wahrscheinlich ein Hammer Gefühl oder? Wenn das Angebot dann von der UFC kommt? Nick: Ach ja, es ist ja nicht nur das! Es sind ja nicht nur die Kämpfe und das ganze Drumherum. Die UFC hat halt auch gemerkt, dass sie in mir jemanden hat, der gerne mit im Rampenlicht oder mit den Kameras spielt und auch gerne nach außen hin vielleicht auch so ein bisschen das Bild des Sports zurecht rückt. Und ich bin halt auch nicht unbedingt auf den Mund gefallen. Was mir im Nachhinein wahrscheinlich eher zum Verhängnis wurde, ich kann ja meine Klappe nicht halten. Ich rede dann so gerne und viel. Deswegen, da müssen wir gucken, dass wir den Podcast hier nicht sprengen, aber man hat mich dann eben auch für Werbezwecke dann nach Göteborg eingeladen. Ich war in Stockholm eingeladen. Nach Dublin letztes Jahr, wollten sie mich gerne holen. Ich war in London zur Beyond Octagon. Das ist eine UFC Show, wie hier Ran Fußball. Also man hat michnoch neben den Kämpfen relativ gut eingespannt und das funktioniert eigentlich ganz gut. Ich glaube sogar, dass ich in England viel mehr Follower als in Deutschland habe, weil die mich einfach da im Fernsehen schon das ein oder andere Mal gesehen haben. Und das kriegt man hier in Deutschland halt gar nicht so mit. Marcus: Ja das ist leider das Ding, dass es in Deutschland noch nicht so präsent ist. Aber das ändert sich jetzt hoffentlich. Das sind alles immer so kleine Steps, die dann hoffentlich irgendwann dahin führen, sodass es auch ein anerkannter Sport ist. Genauso wie Boxen. Was hier auch eine riesen Präsenz hat und ich weiß nicht, aber vielleicht kannst Du etwas dazu sagen? Ich habe jetzt schon ein paar Mal von irgendwelchen Studien oder so gelesen, dass wegen der Verletzungen oder ich meine die Argumentation gegen MMA Kämpfe im Fernsehen zu zeigen, ist ja meistens so, dass es zu brutal aussieht und die Verletzungen sind sehr krass. Aber ich glaube im Vergleich zum Boxen, was hier ja so abgefeiert ist, ist man beim MMA noch ziemlich gut geschützt oder? Nick: Ich würde noch weiter gehen. Ich habe mein Leben lang Judo gemacht. Übersetzt heißt Judo ja “Der sanfte Weg”, eine Sportart, die wird in Schulen angeboten und auch olympisch ist. Ich habe 20 Jahre meines Lebens mit Judo verbracht und habe mich gerade auch in den letzten Jahren meiner Judokarriere mehr und deutlich heftiger verletzt als ich mich jemals im MMA verletzt habe. Ich habe mir da ein Bein gebrochen im Olympiajahr 2008. Das war richtig heftig. Das hat so laut geknackt. Marcus: Beim Training oder was? Nick: Beim Training, ja. Als hätte ein Ast im Wald gebrochen. Das war schrecklich gewesen. Ich bin, glaub ich, in den letzten fünf Jahren meiner Judokarriere bin ich fast ein Mal pro Jahr operiert worden. Ob das jetzt Bandgeschichten waren, Brüche oder kleinere Absplitterungen. Ich habe diese Anzahl der Verletzungen und auch nicht die Heftigkeit oder die Schwere der Verletzungen, nicht annähernd im MMA gehabt. Ich habe mir im MMA die Nase halt schon gebrochen und die ein oder andere Cut Verletzung gehabt. Das sind die Folgen, die halt auch im Fernsehen dann deutlich zu sehen sind. Wenn Du halt eine Platzwunde hast, das blutet halt. Du blutest wie ein Schwein und das sieht natürlich ganz, ganz heftig auf den Bildern oder auf dem Filmmaterial aus. Aber das ist es nicht. Das ist eine Platzwunde, die Abends bei der Aftershow Party schon wieder keine Sau interessiert. Ich erinnere mich an meinen ersten Kampf in der UFC. Ich habe gegen Drew Dober gekämpft. Der Junge hat einen richtig großen Cut von mir bekommen und hat Abends bei der Party schon wieder meine Schwester klargemacht. Und die sind jetzt verheiratet. (Marcus lacht) Also es geht. Marcus: Das ist auch eine krasse Story oder? Nick: Ja, aber es ist die Wahrheit. Unser Kampf war der mit Abstand blutigste Kampf an diesem Abend. Und Abends hat das schon keinen mehr interessiert. Es ist halt diese Oberflächlichkeit der Verletzung. Beim Judo hatte ich Verletzungen gehabt, die mich teilweise fast ein Jahr aus dem Training geworfen haben. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich habe am Boden gelegen und geschrien. Und gerade die Anfälligkeit der Verletzungen an den Beinen und an den Bändern ist beim Judo relativ häufig. Also geh mal in den Judo Verein und frag mal, wie viele Leute da Kreuzbandrisse hatten. Das ist eben die einseitige Belastung dieses Sports. Beim MMA hast Du eben die ganze Bandbreite aller Kampfsportarten. Das heißt, die Belastung ist eben auch auf - ich sags jetzt mal so blöd - auf alle Bereiche verteilt und eben nicht nur einseitig beim Boxen auf den Schädel immer wieder. Oder einseitig beim Judo eben auf die Gelenke. Das ist halt einfach so. Deswegen ist die Heftigkeit, auch statistisch gesehen, deutlich geringer beim MMA. Das will zwar von den Laien erstmals keiner glauben, aber die Leute haben ja ganz am Anfang auch nicht geglaubt, dass die Erde rund ist und eben keine Scheibe. Man braucht halt manchmal eine Weile, um die Pille zu schlucken. Marcus: Es hat sich ja auch im Laufe der Jahrzehnte, gerade auch beim MMA, vieles professionalisiert und die Regeln sind ja auch immer klarer geworden. Der Kämpfer wird immer besser unterstützt. Nick: Und vor allen Dingen umfangreicher. Und gerade auch eben, meine Fresse, wenn ich darüber nachdenke, wieviele Doktorchecks wir mittlerweile über uns ergehen lassen müssen im Vorlauf. Also ehrlich, mittlerweile muss ich sagen, das nervt ja fast schon. Jedes Mal Blutabnahme, jedes Mal Kernspin - okay nicht jedes Mal Kernspin. Aber jedes Jahr und immer wieder auf irgendwelche Schäden im Kopf. Alles was halt irgendwie die Gesundheit angeht. Und wir müssen uns jedes Mal komplett untersuchen lassen vor den Kämpfen. Und dann wird gerade am Waagetag auch noch mal gecheckt. Dann wird vor den Kämpfen gecheckt. Dann wird nach den Kämpfen gecheckt. Ich musste dieses Jahre nichtmal zur Pressekonferenz. Die waren der Meinung, dass mein Bein ein bisschen vielleicht belastet wäre. Ich wollte unbedingt zur Pressekonferenz. Ich bin dann Abends noch tanzen gegangen, aber die haben halt gesagt “Nee, Du gehst ins Krankenhaus und wir checken das erst. Ansonsten 6 Monate Sperre!” Also man wird da schon wirklich bemuttert. Weil sie aber eben auch wollen, dass der Sport salonfähig wird und dass die Leute das endlich checken, dass es hier eine Sportart ist und eben kein, was weiß ich. Marcus: Kein Kirmes-Boxen oder irgendetwas anderes. Du hast eben erwähnt, dass Du Dich krass verletzt hast bei der Vorbereitung auf Olympia, glaube ich, ne? Ich habe auch in dem Interview gelesen, wie das dann für Dich war, als dann jemand anderes quasi Olympiasieger geworden ist. Bist Du dann darüber zum MMA gekommen oder wie war das? Vielleicht erzählst Du nochmal kurz. Nick: Also der Gedanke des MMAs hat eigentlich angefangen mit einer alten VHS-Kassette im Jahr 2000, die mir jemand in die Hand gedrückt und gesagt hat “Zieh Dir das rein. Das ist krass!” Und dann habe ich mir das reingezogen und es war wirklich so ein absolutes Schockerlebnis. Das war vergleichbar mit dem Augenblick, als ich das erste Mal Bloodsport gesehen habe. Das war UFC 1. Das war natürlich auch von den Regeln noch sehr, sehr spartanisch. Also da gab es eigentlich fast gar keine Regeln. Die konnten teilweise auch in _____ kämpfen oder der erste Kampf war glaube ich Royce Gracie gegen einen Boxer, der hat dann auf der einen Seite einen Boxhandschuh angehabt, auf der anderen Seite die blanke Hand. Also total abenteuerlich. Und die haben sich am Boden auch gegenseitig in die Klötze getreten. Also es war schon heftig. Marcus: Ich glaube, die haben dort auch die verschiedensten Kampfstile immer einfach gegeneinander in den Ring geworfen, um zu gucken, wer ist denn jetzt besser hier? - Der Sumo oder der Boxer? Nick: Genau, das war halt eben auch die Idee. Der Gedanke, der auch von Hollywood-Forschern aufgenommen wurde, um das - ich sag mal so - ilustriert im Bloodsport dann verarbeitet wurde. Welche Kampfsportart ist denn jetzt die beste? Das war natürlich eine Frage, die sich auch in den Gyms weltweit irgendwie nach einer Weile dann breit gemacht hat. Wer ist denn eigentlich der Beste? Da gab es eine Familie, die gibt es immernoch, die Gracies. Die waren halt der Meinung, dass das Brazilian Jiu Jitsu eben die beste Sportart ist. Um das zu beweisen hat dann der - oh mann, da gibt es so viele Gracies - ich glaube, der Rorion Gracie, hat dann eben die UFC gegründet. Und sie haben natürlich auch ihren eigenen Mann, den Royce Gracie, reingesetzt, mit der Hoffnung, dass der eben alle besiegt und das hatte er eben dann auch. Er war der mit Abstand leichteste und schmächtigste von allen. Und das hat halt damals auch diesen Sturm auf die ganzen BJJ Shows gegeben. Weil dann wollten alle auf einmal auch wie Royce Gracie sein. Und so ist das dann eben entstanden. Ich habe das gesehen und habe gedacht “Alter Schwede, was ist das?”. Auf der anderen Seite habe ich mir auch gedacht “Mann, ich glaube, das könnte ich auch”. Irgendwie hat der Gedanke immer mitgespielt. Danach haben wir uns dann auch mit Freunden im Jugenzentrum getroffen. Da gab es dann unten im Keller so eine Halle mit Matten ausgelegt. Ich mit Judo und der andere mit Boxhandschuhen und dann haben wir da losgelegt. Das sah halt genauso martialisch aus, wie bei der UFC 1. Aber es war halt unter Freunden. Der Gedanke, das wirklich so zu machen, der ist eben über die Jahre dann gewachsen. Das war ungefähr 2000, wo ich das gesehen habe. Dann hat es eben bis 2009 gedauert, bis ich dann meinen ersten Kampf gemacht habe. Und ein wichtiger Faktor war eben auch, dass diese Flamme, die Leidenschaft für das Judo, erloschen ist. Und das ist in diesem Jahr 2008 passiert. Du musst Dir vorstellen, mein Traum war immer irgendwie Judo-Weltmeister oder Judo-Olympiasieger zu werden. Das war auch lange Zeit auf der Schule im Informatikkurs mein Passwort: Judo Olympiasieger. Das hat sich so durch mein Leben gezogen. Und dann habe ich ein absolutes Schreckensjahr gehabt: 2008. Da war ich in der Olympiaquali und habe dann eine absolute Niederlagenserie hingelegt und das hat dann auch noch damit gekrönt, dass ich mir dann nach dem Trainingslager in Russland dann zu hause beim Training das Bein gebrochen habe. Das war diese Geschichte mit dem im Training. Ah, das war schon heftig. Ich habe da ungefähr 10 Minuten gelegen und habe nur geschrien. Marcus: Und was war da los, bei den Niederlagen? Kannst Du das jetzt irgendwie einordnen? War da Dein Kopf irgendwie nicht in Ordnung, ich meine oft hat man… Nick: Nein, manchmal soll es einfach nicht sein. Ich habe in Russland zum Beispiel gekämpft gegen einen Brasilianer. Und das waren so ganz obskure Geschichten. Da kämpfe ich und ich kämpfe - der ist dann auch später für Brasilien dann zu den olympischen Spielen gefahren - und ich führe gegen den. Und die Russen, wenn die ihre Jungs anfeuern, dann machen die das auch auf englisch so ein bisschen. Dann rufen die mal: Ra-si-a, also englisch wie Russia. Aber was ich verstanden habe war irgendwie: Bra-sil-ia, Bra-sil-ia. Und ich denke “Verdammte Scheiße! Warum feuern die denn den Brasilianer an?!” Das war schonmal das erste. Und dann musst Du Dir vorstellen, ich führe bis eine Sekunde vor Schluss den Kampf. Dann rennt der in der letzten Sekunde, wirklich auf mich zu und anstatt einfach zur Seite zu gehen und den an mir vorbeilaufen zu lassen, habe ich versucht den noch Bluffen und bin dabei selber auf dem Rücken gelandet. Das ist jetzt keine übertriebene Geschichte. Ich bin mit der Schlusssekunde, mit dem Schlussgong bin ich auf den Rücken gefallen und habe die Wertung abgegeben und der hat den Kampf gewonnen. Ich war dann raus aus dem Turnier und es war einfach ein Pestjahr. Ein absolutes Pestjahr. Das zog sich von Wettkampf zu Wettkampf so. Und dann - wie gesagt - mit der krönenden Belohnung des gebrochenen Beins. Dann habe ich gesagt, der Traum Olympia… Ich wollte nichts mehr von Olympia wissen. Ich war dann in Japan und das war ja die Olympiade in Peking. Jetzt ist China nicht so weit von Japan weg, das heißt das sind so knapp zwei Stunden Zeitdifferenz. Ich habe die ganze Zeit Judo und olympische Spiele ignoriert. Das heißt überall in den Gyms, auf jedem Fernsehprogramm, in der Stadt auf großen Bildschirmen, überall konnte man Olympia sehen. Ich habe der Sache gar keine Aufmerksamkeit gezollt. Irgendwann an einem Tag, da waren wir den ganzen Tag unterwegs. Und ich humpel den ganzen Tag auf Krücken, schleppe mich dann irgendwann ins Appartement hoch, schmeiß mich nach einem langen Tag in der Stadt aufs Sofa, mache zum ersten Mal den Fernseher an und was sehe ich genau in dem Augenblick. Wie Ole Bischof Olympiasieger wird, gerade in dem Augenblick! Das war Live, wie der meinen Traum lebt in meiner Gewichtsklasse und ich habe gedacht “Ey! Wer schreibt gerade hier dieses Drehbuch?! Wie bitte ist das?” Ich war so enttäuscht von diesem ganzen Jahr, von meinem ganzen Aufwand, den ich darein gebracht habe. Ich sag Dir wirklich, das war so als hätte jemand das Feuer dann ausgemacht für den Sport. Das war einfach zu viel. Marcus: Krass! Du bist dann wirklich von heute auf morgen nicht mehr zum Training gegangen oder hast gesagt “ich bin raus”? Nick: Doch, ich habe noch gekämpft. Noch ein bisschen. Aber ich habe gemerkt, dass mir das immer schwerer gefallen ist. Wir waren dann in Brasilien in einem Trainingslager und ich war jeden Tag deprimiert. Ich bin dann morgens vor allen anderen aufgestanden, ich war dann schon - weiß ich nicht - um fünf oder sechs Uhr wach, habe mich dann irgendwann nach draußen gesetzt und einfach nur nachgedacht. Da habe ich mir gesagt “ey, ich bin in Brasilien, das Wetter ist gut, das Essen ist gut, die Menschen sind gut drauf und ich bin totunglücklich”. Und dann habe ich mir geschworen, ich werde etwas ändern, wenn ich nach Deutschland zurückkomme. Ich werde etwas ändern und dann habe ich mir in Deutschland eben einen MMA Verein gesucht. Und so hat es dann angefangen. Marcus: In Köln? Nick: Jetzt muss ich echt mal überlegen. Ich habe also mein aller aller erstes MMA Training in Berlin gemacht, muss ich dazu sagen. Bei MMA Berlin, so heißt der Verein immer noch. Ich habe aber zu der Zeit dann - als ich mich entschieden habe, etwas zu ändern - wieder in Köln gewohnt und habe mir dann in Köln einen Verein gesucht. Marcus: Okay cool. Und dann bist Du auch direkt nach einer gewissen Zeit zu den ersten Turnieren gefahren und hast erste Erfahrungen gesammelt? Deinen Record quasi an Umfang aufzubauen? Nick: Das Lustige ist, da hatte ich ja schon einen MMA Kampf. Bei mir war ja nicht so richtig was mit Erfahrungen sammeln. Ich bin halt mal irgendwie zum MMA Training in Berlin gegangen und habe da direkt meinen ersten Kampf gemacht. Aber das lief halt noch so nebenbei. Aber ich bin dann, wie Du gerade sagst, nach Köln gegangen und da hatte ich schon meinen ersten Kampf bekommen. Da war dann auch für mich klar, dass ich Judo früher oder später aufhöre. Marcus: Ja cool. Und jetzt zurückblickend und was Du jetzt alles schon für den deutschen MMA Sport gemacht hast und wo Du jetzt stehst in der UFC, denke ich, war das die richtige Entscheidung. Und Du bist damit, glaube ich, auch glücklicher oder? Nick: Ich wache jeden Morgen auf und bin glücklich. Ich habe letztens noch zu meiner Frau gesagt “Hättest Du das gedacht vor einem oder zwei Jahren?” Und wir haben uns dann beide beim Lachen erwischt. Eigentlich lebe ich momentan meinen Traum. Aber was ich auch direkt noch sagen will: ich bin da noch lange nicht fertig. Also, das habe ich nicht in der Hand. Das hat der liebe Gott in der Hand. Das kann ich selber jetzt nicht bestimmen. Das kann morgen schon vorbei sein. Eine schlimme Verletzung - das muss man auch so respektieren. Aber wenn es nach mir geht, dann ist das jetzt die erste Stufe auf der Leiter des Erfolges oder der Zeit die Spaß macht. Da würde ich gerne noch den einen oder anderen draufsetzen. Marcus: Ja so sehe ich das auch. Also ich habe da so ein Gefühl, dass das jetzt gerade erst der Anfang ist. Also sowohl bei Dir als auch für den ganzen MMA Sport hier in Deutschland und die UFC. Nick: Das hast Du sehr lieb gesagt, Dankeschön! Marcus: Auf jeden Fall! Ich habe noch mal eine Frage zum Mindset und der Vorbereitung auf Deine Gegner, speziell bei Dir im Kopf. Bist Du so ein Typ, der sich dann total abschottet vor den Kämpfen, je näher die rücken oder brauchst Du diese sozialen Kontakte? Bewusst Du bewusst nach Thailand gegangen, um hier in Deutschland nicht diese volle Aufmerksamkeit zu haben? Wenn Du hier in Deutschland in der O2 World kämpfst vor 50.000 bis 60.000 Leuten. Das ist ja schon krass ne? Nick: Also die Aufmerksamkeit habe ich ja letztendlich trotzdem. Man hat sich ja auch so ein bisschen darauf gestützt. Mir die Aufmerksamkeit - ich sag das jetzt mal so blöd - so in die Schuhe zu schieben. Das mache ich aber, wie gesagt, auch gerne. Da bin ich sehr dankbar für und das ist eben auch trotzdem eine Sache, die ich immer wieder ein bisschen unter Kontrolle halten muss. Denn ich mag diese Aufmerksamkeit natürlich auch. Ich bin jemand der trotz alle dem ein Perfektionist ist, was das Training angeht. Und dieses Mindset, gerade was den Gegner angeht… Man hat mich mal gefragt “Hasst Du Deinen Gegner?” Das war jetzt irgendwie eine Frage im Vorlauf auf meinen Kampf gewesen. Also das ist absoluter Blödsinn. Ich glaube, wenn ich Zeit im Kampf für solche Gedanken habe, dann habe ich einiges falsch gemacht. Du musst Dir vorstellen, so ein Trainingslager, das ist eine so intensive Erfahrung. Gerade auch, was das Gefühl des sich selber überwindens angeht. Gerade auch auf den letzten Metern, den letzten Wochen. Sprich, die Diät, die harten Sparringseinheiten, die harten Konditionseinheiten. Das kann nicht jeder. Viele sehen oft den Spaß und den Ruhm, den man so ein bisschen hat. Also viele wollen gerne mal in der Disko sich nicht anstellen müssen und sagen “ich bin der und der” und wollen durchgehen. Das wollen alle. Aber das harte Training, ich habe vor zwei Tagen erst im Strahl aus dem Ring rausgekotzt. Das sind halt die Sachen, die die Leute nicht so gerne selber erfahren wollen. Und dieses Mindset, das jeden Tag durchgemacht zu haben, das wirkt sich am Ende dann so aus, dass Du einfach funktionierst. Ich programmiere mich jetzt quasi acht oder neun Wochen auf einen Kampf, jeden Tag durch hartes, hartes Training, so dass ich am Ende das abrufen kann ohne darüber nachzudenken. Ohne eben diese Gedanken zu haben. Das heißt, wenn ich mich gut vorbereitet habe, was jetzt im letzten Kampf der Fall war, dann funktioniere ich am Ende noch. Dann bin ich absolut emotionslos bei dem was ich mache sondern dann funktioniere ich eben. Es gibt da so eine schöne Beschreibung: Dann ist man im Zen, dann ist man im Sein, dann ist man im Jetzt. Dann funktioniert man einfach ohne auch nur eine Millisekunde Zeit zu verschwenden. So sieht das aus. Meist äußert sich das auch in der Woche davor, dass ich unheimlich entspannt bin. Wenn ich weiß, ich habe alles gemacht, alles läuft, dann bin ich unheimlich entspannt. Das hat man jetzt auch in Berlin gesehen. Wir haben ja viel zu viel Spaß eigentlich gehabt. Mein Chef, Gerald Meine, von der Sicherheitsgruppe Berlin, der auch gleichzeitig quasi mein Manager und Berater und auch mein größter Beschützer, der hat ein Polizeiauto von der State Troooer aus Amerika gekauft und dann sind wir da durch Berlin gefahren und haben Halli Galli gemacht, damit jeder weiß, dass der Sergent ist. Marcus: Mit Blaulicht und so ne? Nick: Ja genau, mit Blaulicht. Die UFC war auch so gebufft davon und haben hinterher gesagt, das haben sie noch nie gesehen. Du musst Dir vorstellen, wir haben eine Nummer durchgezogen, als wäre ich Conor McGregor. Also die Leute am Alexanderplatz, die den Aufzug da gesehen haben, wie wir da mit Bodyguards und mit Polizeiauto reinmarschiert sind, die dachten, da kommt jetzt Michael Jackson höchstpersönlich. Das kann ich eben aber auch nur dann genießen, wenn ich wirklich mich voll und ganz der Sache - neun oder zehn Wochen - hingegeben habe. Marcus: Ja, das glaube ich auch, und ich glaube so etwas ähnliches hat auch der Boxer Mayweather gesagt. Da war kurz vorm Kampf jemand bei ihm in der Kabine und wusste jetzt nicht, ob er den überhaupt ansprechen kann oder so und da meinte er “ey komm, setz Dich, ich habe Zeit. Was ich jetzt nicht in der Vorbereitung mir erarbeitet habe, das hole ich jetzt auch nicht mehr auf in den letzten zehn Minuten”. Nick: Genau so ist es. Marcus: Der war mega entspannt. Nick: Ja, das ist so. Wir haben eben noch darüber geredet. Im Gang, in den Katakomben, als wir quasi im absoluten, größten Spannungsaugenblick, kurz bevor wir in die O2 Arena gegangen sind. Ich meine, da waren jetzt irgendwie 8000 bis 9000 Leute da, die auf uns gewartet habe. Ich habe gleich den wichtigsten Kampf meines Lebens und was haben wir in dem Gang gemacht? Wir haben ein bisschen Salsa getanzt. Wir hatten einfach bock auf Tanzen, weil die Musik gut war und einfach - ich weiß gar nicht, wie wir darauf gekommen sind genau. Aber wir haben es getan. Also nicht mit meinem Gegner, ja. Der war schon auf dem Weg ins Octagon, aber ich hatte ja noch ein bisschen Zeit. Das kannst Du eben auch nur, wenn Du wirklich entspannt im Kopf bist. Marcus: Ich habe ja auch schon ein paar Kämpfe von Dir vorher gesehen und jetzt natürlich auch den in Berlin. Da hat man dann auch gesehen, allein von Deinem Fitnesslevel oder so, was für eine krasse Steigerung Du jetzt in Thailand dann noch einmal hingelegt hast. Gerade auch zum Beispiel, was die Beinarbeit angeht, die ganzen drei Runden durch. Das war auch so einer der Hauptelemente an denen Du gearbeitet hast, oder? Nick: Das war eines der Hauptelemente, an denen ich gearbeitet habe. Und jetzt arbeiten wir wieder an etwas. Man ist immer nur so gut wie sein letzter Kampf. Ich möchte den letzten Kampf als Standard jetzt nehmen und möchte natürlich einen drauf setzen. Und ich will beim nächsten Mal wieder, dass die Leute sagen “Das hätten wir jetzt nicht erwartet”. Aber im positiven Sinne. Weißt Du, ich bin ein bisschen, was das MMA angeht, ein Spätstarter, aber irgendwie ging das bei mir jetzt immer kontinuierlich weiter. Und wenn ich irgendwie gemerkt habe, ich komme irgendwo nicht weiter, dann habe ich etwas geändert. Ich bin da einfach zu stur, um aufzugeben. Ich glaube mit dem Mindset und vor allen Dingen der Gnade des lieben Gottes, dass ich gesund bin und dass meine Familie gesund bleibt, könnte das jetzt ruhig noch so ein paar Jahre weitergehen. Marcus: Ja, von mir aus auch. Also ich werde Dich auf jeden Fall weiter beobachten. Nick: Also Deinen Segen habe ich schonmal. Dankeschön! Dann wird alles gut. Marcus: Weißt Du schon, wie lange Du jetzt in Thailand bleibst? Das hängt wahrscheinlich auch von dem nächsten Kampf ab, oder? Wann und wo der dann stattfindet? Nick: Genau so ist es. Ich darf vertraglich leider noch nichts sagen. Ich kann nur sagen, es gibt zwei Alternativen. Eine ist ein bisschen weiter weg bzw. von Deutschland ein bisschen weiter weg. Die andere Variante wäre Europa, wahrscheinlich. Das entscheidet sich jetzt. Beide Kämpfe werden super interessant für mich. Und ich würde das schon so machen, wie auch beim letzten Mal, dass ich bis kurz vor dem Kampf hier im Trainingslager bleibe. Marcus: Hast Du jetzt auch schon Deine Ernährung umgestellt? Also kochst Du gerade ab und wirst dann wieder leichter? Nick: Ich muss, ja. Marcus: Also ich habe Dich ja gesehen einmal beim Kampf in Berlin und dann kurz danach noch einmal im Tempodrom in Berlin und da waren dann schon, ohne Dir zu nahe treten zu wollen, 10 bis 15 Kg mehr drauf, ne? Nick: Also, Du willst jetzt sagen, dass ich Fett bin, ja? (beide lachen) Nein, Du hast schon recht, das waren locker 15 Kg mehr. Ich bin, wie gesagt, der Junge von neben an. Ich liebe, verdammt nochmal, Schokolade. Ich liebe es, Nachts aufzustehen und einfach etwas aus dem Kühlschrank rauszunehmen und mir das reinzudrücken. Ich habe das vorher schon so gemacht und ich mache das jetzt immernoch so, wenn ich kann. In der Vorbereitung kann ich es nicht mehr und das ist eben die Zeit, die jetzt halt wieder angebrochen ist. Ich brauche diese Zeit auch bis zum Wettkamp, um mit dem Gewicht runterzukommen. Marcus: Hast Du dann einen bestimmten Coach nur für die Physis? Gibt es dann Coaces nur für Kicken, nur fürs Boxen, nur für Bodenkampf? Nick: Ja genau, ich habe in Deutschland mit Jack, also Jakov Maximovic, jemanden gehabt, der sich der Sache angenommen hat. Und jetzt hier im Tiger Muay Thai habe ich _________. Das ist der blonde, gutaussehende, muskelbepackte Kerl, der auch in Berlin an meiner Seite war. Das ist jemand, der sowohl mein Fitnessprogramm für mich plant, aber auch einen großen Teil der Ernährung übernimmt. Und jetzt muss ich auch ganz ehrlich sagen, meine Frau. Meine Frau ist mittlerweile eine ganz feste Bank hinter mir. Gerade was die Diät am Ende angeht. Die hat sich unglaublich auch gemacht, was McGyvern - so nenne ich das - angeht. Also die kann locker ein 3 bis 4-Sterne Menü aus - ich sage mal - ein paar Zwiebeln, Lauch und einem Küchenmesser aus dem Hotel und einen weißen Fisch machen. Weil ich eben nicht die Buffets in den Hotels dann vor den Wettkämpfen sehen kann. Und wir bleiben dann meist im Zimmer und sie zaubert mir da etwas mit dem Wasserkocher und eben die Zutaten, die wir selber mitbringen. Sie ist da schon echt eine Bank. Marcus: Cool! Das klingt auf jeden Fall so, als ob Du perfekt aufgestellt bist für den nächsten Kampf und hoffe ich noch ganz viele andere Kämpfe, die auch noch kommen, ne? Nick: Ja ich denke auch, aber danke, ja. Marcus: Okay Nick. Vielen, vielen Dank für Deine Zeit. Ihr seid jetzt auch fünf Stunden vor Deutschland. Ich bin ja gerade mal wieder in Berlin, weil wir nächste Woche eine fette Konferenz machen. Und deshalb will ich Dich auch nicht mehr zu lange aufhalten, bevor Du schlafen gehst, ich glaube wir haben 23.00 Uhr. Also grüß Deine Frau, grüß Deine Family. Lass uns in Kontakt bleiben. Tausend Dank nochmal! Nick: Sehr sehr gerne! Danke, dass ich dabei sein durfte! Marcus: Ja sehr gerne. Vielleicht kannst Du noch mal Deine Facebook-Seite am Ende nennen, für die Leute, die jetzt auch an Dir interessiert sind oder allgemein am Sport MMA. Nick: Genau, also für alle, die mir folgen wollen oder mit mir in Kontakt sein wollen: nickheinmma ist der Begriff, den ihr sowohl bei Twitter, Instagram, aber auch Facebook eingeben könnt und dann findet ihr mich. Nick Hein MMA. Relativ einfach und relativ leicht zu merken. Marcus: Ich verlinke das auch noch einmal in den Shownotes zu diesem Podcast. Also in dem Sinne: Vielen Dank, wir bleiben in Kontakt und viel Erfolg für deinen nächsten Kampf ja? Nick: Super, hat mich gefreut! Dankeschön! Marcus: Gerne, ciao! Wenn Dir die Folge mit dem deutschen MMA Fighter Nick Hein gefallen hat, dann hinterlasse doch bitte eine Bewertung auf iTunes. Alle Links und Shownotes findest Du auf www.LifeHackz.de. Danke und bis bald! Dein Marcus. [/su_spoiler] [/su_accordion]
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